Geschichte


Gründerzeit


Am 1. September 1878 gründen der Chemiker Dr. Carl Grünzweig und der Kaufmann Paul Hartmann an der heutigen Frankenthaler Straße in Ludwigshafen ihre "Fabrik chemisch-technischer Producte von Grünzweig & Hartmann oHG". Ihr Hauptanliegen ist es, für moderne Anlagen und Maschinen neue Dämmstoffe zu entwickeln, die die herkömmlichen Isoliermaterialien - wie Stroh, Häcksel und Tierfelle - ersetzen.


Schon 1880 erhält das junge Unternehmen sein erstes Patent: für Isolierplatten aus Kork. Kurz darauf entwickelt Carl Grünzweig Diatomitstein aus Kieselgur: einen Dämmstoff für hohe Temperaturen, etwa für Dampfkessel in Kraftwerken und Schiffen.

Die Fabrik, die mittlerweile eine eigene Montage-Mannschaft beschäftigt, vergrößert sich rapide: Im Jahr 1890 zählt das Unternehmen bereits über 100 Mitarbeiter. 1908 bestehen Niederlassungen in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Dresden und München, in der Nähe von Wien und in Budapest, außerdem Lizenzfabriken in England und den USA. 1899 stirbt Gründer Paul Hartmann. 1906 macht Grünzweigs Sohn Max eine bahnbrechende Entdeckung: Erwärmt man Korkgranulat ohne Luftzufuhr, dehnt es sich um ein Mehrfaches aus. Die Korkplatten werden dadurch erheblich leichter - der neue Dämmstoff Expansit ist geboren.

Auch dem Bierbraugewerbe kommt diese Erfindung zugute: Neben der neu entwickelten Ammoniak-Kältemaschine ermöglicht es die Isolierplatte aus Kork, Bier ohne großen Aufwand ganzjährig zu lagern. Das alte Bierbrauverbot für die Sommermonate wird damit überflüssig.


Rückschläge und Neuanfänge


Einen herben Schlag für Grünzweig & Hartmann markiert der große Werksbrand im Jahr 1912, dem zahlreiche Gebäude und Lagerbestände zum Opfer fallen. Das Rohkorklager wird im städtischen Hafen neu errichtet.

1913 stirbt Carl Grünzweig im Alter von 68 Jahren, sein Sohn Max kann das Unternehmen nur bis 1919 weiterführen. Neuer Firmenchef wird Civilingenieur Michael. Unter seiner Leitung hat das Unternehmen in Ludwigshafen bereits 1914 den berühmten Korkturm gebaut: eine Kombination aus Wasserhochbehälter und Granulatsilo.

Die Konstruktion der „Kontinuierlichen Kork-Plattenmaschine“ ermöglicht eine enorme Steigerung der Korkplatten-Produktion auf 70.000 Kubikmeter jährlich. Aufgrund der hohen Nachfrage wird der Rohkork-Import bis Nordafrika ausgeweitet.

In den Dreißigerjahren belebt sich der Wettbewerb: 1931 wird in Bergisch Gladbach die Glaswatte GmbH gegründet, die 1937 in die Glasfaser GmbH übergeht. Diese wird später mit G+H fusionieren. Dass Grünzweig & Hartmann es mit der Konkurrenz durchaus aufnehmen kann, beweist 1939 das Patent für einen neuen Faserdämmstoff: die Mineralfaser Sillan®, benannt nach Silicium und „Lana“, dem lateinischen Namen für Wolle. Zur Produktion von Sillan® baut das Unternehmen zwei neue Anlagen.

Der Zweite Weltkrieg hinterlässt auch bei Grünzweig & Hartmann seine Spuren:In einer Reihe von amerikanischen Bombenangriffen ab September 1943 wird das Werk in Ludwigshafen fast vollständig zerstört. Nur der Korkturm, das Wahrzeichen von G+H, bleibt beinahe unversehrt.


Wiederaufbau


Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs macht sich die verbliebene Belegschaft des Unternehmens an den Wiederauf- bau, der bis 1951 andauert. Rohstoffe und Kredite sind nur schwer zu bekommen. Dennoch gelingt es bereits im Mai 1945, die Kork-Sparte in Betrieb zu nehmen; im März 1946 ist auch die Sillan®-Produktion wieder im Gange.

1947 übernimmt Dr. Fernholz als Vorstand die Firmenleitung. Das Sortiment der Kälte- und Wärmeisolierung wird nun um Produkte der Sparte Schallisolierung erweitert: Die Produktpalette umfasst nun zusätzlich Trittschallplatten sowie Akustikplatten für abgehängte Decken und Flach- und Industriedächer.

Im Jahr 1950 beschäftigt das Unternehmen an die 1.350 Mitarbeiter; der Jahresumsatz beträgt rund 19,5 Millionen DM. Zwei Jahre später wird die Grünzweig & Hartmann GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Das 75-jährige Firmenjubiläum 1953 schließt mit der offiziellen Inbetriebnahme der Sillan®-Anlage V - der ersten nach dem Krieg. Und es geht weiter bergauf: Im Zuge des Wiederaufbaus der deutschen Städte steigt die Nachfrage nach Isoliermaterial; 1956 erwirbt Grünzweig & Hartmann ein 80.000 Quadratmeter großes Fabrikgelände in Ladenburg bei Heidelberg. Auch im Ausland vergibt das Unternehmen immer mehr Produktlizenzen, etwa in Schottland, Italien, Argentinien, Holland und Frankreich.


Fusion und Expansion


Mit der Herstellung von Exporit® aus Styropor® schafft sich das Unternehmen Ende der Fünfzigerjahre ein neues Standbein. Neben der Hartschaumplatte für den Innenausbau stellt die Entwicklung von Exporit®-Formverpackungen für zerbrechliche Güter eine Pionierleistung dar, auf die in den frühen Sechzigerjahren Kunden wie Braun oder Märklin zurückgreifen.

Im Unternehmen hat sich inzwischen einiges verändert. Seit 1958 führt ein Dreierkollegium die AG: Neben dem Vorsitzenden Dr. Fernholz sitzen die Ingenieure Rudolf Klingholz und Robert Maul im Vorstand. Anfang der Sechziger- jahre übernimmt Saint-Gobain die Aktienmehrheit. Zwischen Grünzweig & Hartmann und der Glasfaser GmbH - einer hundertprozentigen Tochter von Saint-Gobain - bleibt der intensive Wettbewerb dennoch bestehen.

Im Jahr 1962 schließt Grünzweig & Hartmann ein spektakuläres Projekt ab: den Bau der weltweit ersten Lärmschutzhalle für Triebwerkstests kompletter Flugzeuge am Hamburger Flughafen. 1968 kommt Rollisol auf den Markt, das sich in kürzester Zeit zu Deutschlands beliebtestem Dämmstoff entwickelt.

1969 gründet Grünzweig & Hartmann gemeinsam mit der Glasfaser GmbH die Unimat Schaumstoff GmbH in Bochum. Die Zusammenarbeit intensiviert sich: Unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Felix Altenhoven schliessen sich beide Unternehmen 1972 zur „Grünzweig + Hartmann und Glasfaser AG“ zusammen, die als erster Anbieter sowohl auf Produkte aus Glas- als auch aus Steinwolle spezialisiert ist. Seine Montageaktivitäten gliedert das Unternehmen 1976 in die „Grünzweig + Hartmann Montage GmbH“ aus.


Große Projekte


Ende der Achtzigerjahre steht erneut ein Wandel in der Unternehmensstruktur an: 1988 gehen die Geschäftsanteile der G+H MONTAGE GmbH auf die französische Société Générale d’Entreprises (SGE) - die Hoch- und Tiefbaugruppe der Compagnie Générale des Eaux (der späteren VIVENDI) - über.

1990 werden einige neue Tochterfirmen Teil des Unternehmens u. a. die Isolierungen Leipzig GmbH und die Heinrich Nickel GmbH.

Auch der Name der ehemaligen Muttergesellschaft ändert sich: Die "Grünzweig + Hartmann und Glasfaser AG" wird zur "Grünzweig + Hartmann AG".

Eine Reihe von nationalen und internationalen Großprojekten festigt den Ruf des Unternehmens: 1987 übernimmt die G+H MONTAGE GmbH für 100 Millionen DM den Innenausbau einer Konzerthalle in Taiwan. Im März 1989 steht ein weiterer Meilenstein: das neue „Convention Center“ auf dem Gelände der Hannover Messe - mit Innenausbau, Brandschutz, Wärme- und Schallisolierung von G+H. Auch auf der höchsten Baustelle Kölns - dem Fernmeldeturm Colonius, der im April 1990 eine um 24 Meter verlängerte Spitze erhält - sind G+H Monteure vor Ort. Unter den Bauobjekten im Ausland finden sich ferner der europäische Weltraumbahnhof in Französisch Guyana, eine Soda- und Salzgewinnungsanlage in Südafrika, ein Kühllager in Kamtschatka und ein internationales Ferienparadies in China. Und bei den Olympischen Spielen in Barcelona im Sommer 1992 bewundern die Zuschauer den futuristischen z-förmigen Fernsehturm. Antenne und Antennenterrasse des architektonischen Meisterwerks tragen eine Verkleidung von G+H.

Neue Strukturen

1996 wird die G+H MONTAGE GmbH in sechs Untergesellschaften nach den Geschäftsbereichen Wärme, Kälte, Schallschutz, Fassadenausbau, Innenausbau und Schiffsbau untergliedert. Im Jahr darauf geht die G+H MONTAGE GmbH an die Sparte „Thermique und Mécanique“ der Société Générale d’Entreprises über. Sie wird in die zwei Unternehmensbereiche Isolierung und Hochbau aufgeteilt.

Indessen stellt G+H im Dezember 1996 in den USA einen neuen Schallmessraum für die Autoindustrie fertig, den die Hersteller Chrysler, General Motors und Ford gemeinsam nutzen. Die neue Mercedes S-Klasse startet 1997 mit einem Motor, in den ein Hochtemperaturdämmsystem der G+H ISOLITE integriert ist.

Auch im Unternehmen selbst finden Aus- und Umbauarbeiten statt: Die G+H MONTAGE GmbH gliedert sich im Jahr 2000 an den Geschäftsbereich Energie-Information (GTIE) der Société Générale d’Entreprises an, die sich ihrerseits in VINCI umbenennt. Eine weitere Etappe markiert das Jahr 2002: Der G+H Unternehmensbereich Isolierung wird in die GTIE Deutschland GmbH integriert, während der Bereich Hochbau der VINCI Bautec GmbH unterstellt wird. Anfang 2003 benennt sich GTIE in VINCI Energies um.

G+H wandelt sich immer stärker zum Dienstleister für den Hightech-Bereich. Der Eurofighter EF 2000 erhält ein ISOLITE-Hochtemperatur-Dämmsystem. Ende 2001 wird am Flughafen Hamburg eine weltweit einzigartige Lärmschutzhalle für Triebwerkstests von Großraumflugzeugen eingeweiht, an deren Planung und Konstruktion und Errichtung G+H Schallschutz federführend beteiligt war. Der Iso Award 2002 für die Brandschutzmanschette Pyrostat®-Uni beweist, wie erfolgreich G+H innovative Ideen mit der Erfahrung aus 125 Jahren verbindet.
























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